Chronische Borreliose
Paderborn. Aufgrund der großen Nachfrage wiederholte die Regionaldirektion Paderborn, Höxter der AOK Westfalen-Lippe in Kooperation mit der Borreliose-Selbsthilfegruppe Paderborn in der vergangenen Woche einen Vortrag zum Thema chronische Borreliose. Die Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, Martina Lorenz aus Minden, referierte engagiert und patientennah über mögliche Auswirkungen einer unerkannten bzw. nicht ausreichend behandelten Borreliose.
Die hohe Anzahl betroffener Menschen weist darauf hin, dass es unter noch nicht näher geklärten Umständen zu einem chronischen Verlauf der Borreliose kommen kann. Leider spiegelt sich diese Erkenntnis zurzeit noch nicht in den geltenden Leitlinien für Ärzte wieder. Nicht selten wird der Krankheitsverlauf u. a. durch zusätzliche Infekte mitbestimmt. Für Betroffene löst ein Arztbesuch häufig ein Gefühl der Ohnmacht aus. Die Not der Erkrankten bleibt unerkannt. Sie fühlen sich allein gelassen mit ihrer Verzweiflung und Hilflosigkeit angesichts der teilweise erheblichen körperlichen Veränderungen. Diese stellen mit der Zeit auch eine große psychische Belastung dar. Bei anhaltend geschilderten körperlichen Beschwerden werden die Patienten letztlich auf die Psyche reduziert und wiederum nicht selten alleine gelassen.
Martina Lorenz informierte über mögliche Auswirkungen der Borreliose. Sie erläuterte eine Vielzahl möglicher Symptome, die in ihrer Wechselhaftigkeit Ärzte und Patienten gleichermaßen verwirren können. In dem Zusammenhang sprach sie von einer u. U. schwerwiegenden Multiorganerkrankung mit teilweise gravierenden Auswirkungen für die Betroffenen. Unter bestimmten Umständen scheint es bei einer Borrelieninfektion zu komplexen Auswirkungen auf den gesamten Stoffwechsel und das Immunsystem zu kommen. Behandlungsansätze und Bewältigungsstrategien wurden thematisiert. Eine intensivierte Forschung und ein vernetztes Vorgehen der Ärzte hält Frau Lorenz für unbedingt wünschenswert.
Die AOK Paderborn, Höxter unterstützt in vielfältiger Weise die Selbsthilfegruppenarbeit. Sozialarbeiter Rolf Bürger ( Tel.: 05251/124-101 ) ist gerne bereit, Kontakte zu knüpfen und weiterzuhelfen, wenn Interesse am Aufbau einer Selbsthilfegruppe besteht oder konkret Anschluss an eine bestehende gesucht wird. Darüber hinaus können Betroffene und Interessierte sich im Internet unter www.borreliose-paderborn.de über die seit 2007 existierende Selbsthilfegruppe Paderborn (Sektion der Selbsthilfegruppe Kassel) informieren.
Foto: Rolf Bürger (AOK-Sozialarbeiter), Gabriele Hargesheimer (Selbtshilfegruppe Paderborn) und Martina Lorenz, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie.